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Rüsselmonster und andere Helden Das war: Der Festival-Soccer-Cup auf dem Southside [27.06.08]
 Wenn Mannschaften wie der Wurst SV und der FC Kaputt gegeneinander Fußball spielen, weiß der geneigte Festivalgänger schnell, dass das garantiert nichts mit der EM in Österreich und der Schweiz zu tun haben kann. Nein, es ist mittlerweile eine schöne Tradition, dass man sich beim noch jungen Festivalfußball temporär noch etwas spinnerter bei der Namensgebung zeigt als beispielsweise in den Bunten Ligen landauf, landab. Außerdem sind auch die Fußballpraktiken weniger bierernst, man verliert auch mal gerne mit lachendem Auge. Das gilt auch für den Festival-Soccer-Cup auf dem diesjährigen Southside Festival am schwäbischen Örtchen Neuhausen ob Eck, wo unter anderem Radiohead, die Beatsteaks und die Foo Fighters spielten. Musik, nicht Fußball. Den gab es am Samstag Nachmittag beim Turnier, zu dem der Veranstalter FKP Scorpio, Myspace, Viva Con Agua und nicht zuletzt Bolzen als Turnierleitung geladen hatten. Und wie das bei einem Festival in dieser Größenordnung so ist, musste man mit einigem rechnen. Flitzer, noch mehr Penise, Blut, Alkohol. |  Doch, der Reihe nach: Ein großes Rüsselmonster von einem Traktor hatte die vom Vortag zugemüllte Wiesenfläche freigesaugt, der SC 04 Tuttlingen hatte Kleinfeldtore gestellt, Absperrband als Seitenbegrenzung war gezogen worden, die zehn Teams hatten ihre bunten Leibchen von Myspace übergezogen, das Turnier konnte losgehen. Nicht ganz. Denn obwohl der Platz gesäubert worden war, befanden sich an einigen Stellen noch immer kleine Glasscherbenteile (Glasflaschen waren auf dem Festivalgelände eigentlich grundsätzlich verboten!), die nicht komplett entfernt werden konnten. Prompt verletzte sich ein Spieler der GrillSuiteGuys aus Mühlheim an der Hand, das Team zog sich betroffen zurück. Daraufhin wurde das Spielfeld gemeinsam von allen Mannschaften nach Glasresten abgesucht und mit bloßen Händen gesäubert und es gab keine weiteren Blessuren zu vermelden. Dafür aber jede Menge Flitzer, die den Festival-Soccer-Cup zur Darstellung ihrer Gemächte nutzten. Ein ganz besonderes Verhältnis zum eigenen Körper hatte auch der Wurst SV aus Bad Kissingen, der quasi bei jedem Treffer ungeniert blank zog und sein letztes Spiel sogar nackt bestreiten wollte. O-Ton ihres Kapitäns: „Selbst meine Mutter sagt schon immer zu mir, dass ich mich nicht überall ausziehen soll.“ Fußball wurde aber natürlich auch gespielt.
In der Vorrunde hatten sich schnell zwei Favoriten herauskristallisiert: Die Charity-Mannschaft Viva Con Agua, deren Hilfsorganisation für sauberes Wasser für die dritte Welt sammelt, und die „Gastgeber“ vom SC 04 Tuttlingen, immerhin gestandene Landesligisten, die aber in Sachen Einsatz glücklicherweise zwei Gänge heruntergeschalten hatten. Trotzdem war gab es für die Gegner der Tuttlinger nichts zu holen, die Nackedeis von Wurst SV verloren allerdings beachtlich knapp mit 1:2. In der anderen Gruppe trotzte der mit lautstarkem Anhang angereiste FC Kaputt den Altrecken von Viva Con Agua ein 1:1-Unentschieden ab, durch eine knappe Niederlage gegen die Cockfathers aus Ballingen fand der Halbfinaltraum der Kaputten aber ein jähes Ende. Und auch die italienischen Gäste des 1.FC Sauftirol (Südtirol) mussten nach der Vorrunde wie ihre Nationalmannschaft tags darauf die Segel streichen.
In der Vorschlussrunde duselte sich dann zunächst der SC 04 Tuttlingen durch einen Sieg im Neun-Meter-Schießen gegen die aufopferungsvoll rackernden Cockfathers ins Finale, während Viva Con Agua die frech aufspielenden, aber schon angeschwippsten Don Promillos aus der Südpfalz mit 3:1 schlugen. Ihr Glück: Im Neun-Meter-Schießen schlugen sie die Cockfathers, denen nur der undankbare, weil pokallose vierte Platz blieb. |  Das Finale stand von Beginn Spitz auf Knopf: Viva Con Agua war früh durch einen sehenswerten Kopfballtreffer in Führung gegangen, drei Minuten vor Ende der jeweils zehnminütigen Spielzeit glichen die „Profifußballer“ aus. Anstatt aber den Sieger im Shoot-Out zu küren, entschieden beide Teams nach Ablauf der zehn Minuten, lieber eine Verlängerung mit der längst wieder weggesperrten Golden-Goal-Regelung spielen zu wollen. Nach ganzen zwei Minuten war es dann so weit: Durch einen abgefälschten Ball siegte mit dem SC 04 Tuttlingen sicherlich die fußballerisch beste, aber nicht unbedingt festival-affinste Mannschaft und durfte den Pokal, gestiftete von Bolzen, mit nach Hause tragen. Weil ihnen der Weg zum Finale beim Area 4-Festival aber wohl zu lange ist und Viva Con Agua als Mitpräsentatoren demütig zurücktreten, werden wohl die Don Promillos zum Area 4 fahren, wo neben dem lässigen Turnier ja auch noch die Ärzte warten. Und zwar nicht die Johanniter-Sanis. Die mit der Musik. | | Die besten Bilder vom Southside findet Ihr in der Bildergalerie
Alle Ergebnisse finden sich unter www.festival-soccer-cup.de | | | | |
Autor: Christoph Dorner Bilder: Tobias Neuhaus
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